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Brauchtum-2

II. In keiner Sölde und keinem Bauernhof von ehedem fehlte der Ziehbrunnen, dem zumeist ein Wassertrog angegliedert war, damit man hier die Pferde und Rinder tränken konnte. Stets war auch daran gedacht worden, einen Hofbaum zu pflanzen und ihn »lebenslang« zu pflegen. Da es zumeist ein Birnen- oder Apfelbaum war, gewährte er Schall- und Sichtschutz, aber auch Schatten. Noch mehr jedoch warteten Groß und Klein über Monate hinweg auf die begehrten heimischen Früchte.

Eine inzwischen verschwundene Besonderheit auf dem Dorf war das Aborthäusle, stets in der Nähe zum Misthaufen und zum Haus gelegen. Es war entweder aus Holz oder gemauert, lud zum Sitzen ein, wobei der geöffnete Teil der Sitzfläche nach dem »G’schäftle« mit einem Holzdeckel verschlossen werden konnte. Woche für Woche zählte es zu den Aufgaben der Mägde, der Bäuerin oder des Kindsmädchens, die Zeitung, das Kirchenblättle oder den alten Kalender so kunstgerecht zu zerteilen, dass man das notwendige Klopapier stets zur Hand hatte. Der wichtigste Raum im alten Haus, ebenerdig angelegt, war nicht das Wohnzimmer, die so genannte »schöa­ne Stub’«, sondern die zumeist große Wohnküche. Hier stand der gemauerte Herd (später der eiserne Ofen mit »Backrohr« und »Wasserschiffle«). Vom Herd aus konnte man in den offenen Kamin hinaufschauen, in dem die »Rochstickle« oder die »Bluat-, Lebr- und Brottwischt« geräuchert wurden.

Bevor die Knechte, Tagelöhner und der Kühbua vom Stall oder vom Stadel aus über den hinteren Gang die Küche zum »Kaffee-Essa« (= Frühstück), zum Mittagessen, zur nachmittäglichen Brotzeit und zur »Obedsupp« = Abendessen) betraten, putzten sie ihre Schuhe mit dem Birkenreisigbesen sorgfältig ab, damit bei der Bäuerin bzw. der »Ersten Magd« kein Ärger aufkam. Nach dem vorausgehenden Gebet, dem Einnehmen der Speisen und dem nachfolgenden Dankgebet wischten die männlichen Dienstboten ihr Besteck an einem Tuch (nicht selten auch an der Hose oder der blauen Schürze) ab, um es anschließend im Tischkasten abzulegen. Da sich jede Person ihr Besteck irgendwie angemerkt (mit einem bestimmten Zeichen angeritzt) hatte, gab es keine Verwechslungen.

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