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Brauchtum-3

Bauernh_38III. Die »schöane Stub’« im Haus hatte einen stets bevorzugten Platz, der es erlaubte, von ihr aus auf die Dorfstraße zu schauen. In ihr standen der Kachelofen mit dem eisernen Untersatz, der große Tisch, einige Stühle zusammen mit der Eckbank, der »Glaskaschda« (= Wohnzimmerschrank) und die »Ofabank«. Es war in der Regel der einzige Raum außer der Küche, der in der kalten Jahreszeit beheizt wurde, wobei man im Schürloch, der »Höll«, die Kartoffeln in einem eisernen Topf garte, die dreimal in der Woche mittags zum Kraut und abends zur Milchsuppe gereicht wurden.

Bis in die 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts befand sich in den Wohnzimmern der Deininger Großbauern und teilweise auch der Müller ein hölzerner Verschlag mit einer eigenen Tür, die so genannte »Kanz­lei«. Hier standen neben Tisch und Stuhl auch das ab­schließbare Wandschränkchen, in dem Urkunden, Kauf- und Übergabepapiere, Schuldscheine, Personalpapiere, aber auch die Familienbilder und mitunter sogar ein Teil des Bargeldes aufbewahrt wurden, so dass alles griffbereit war, wenn es »was zom Schreibe geba hot«. Nicht selten nahmen hier Bauer und Bäuerin – wohlweislich getrennt von den Dienstboten und Kindern – ihr Mittagsmahl ein.

An Fest- und Geburtstagen wurde es allen auf dem Hof gestattet, sich nach dem Abendessen in der »Stub a bissle« aufzuhalten. Kam der Hochzeiter der Tochter auf den Hof, kredenzte man ihm hier »Kaffee ond Guglhupf« und danach »a Schnäpsle«.

Im Wohnzimmer befand sich dann das Bett der Bäuerin, wenn sie niederkam, und hier stellte man es für einen kranken Familienangehörigen auf. »Gestorben« wurde aller­dings nicht im Wohnzimmer, sondern fast immer in der Kammer oder auch in der Schlafstub’. Das alte Bauernhaus bot Platz für das Schlafzimmer der Eltern und die Kammern der Kinder, Mägde und Knechte. Da die Häuser der Söldner sehr klein waren, schliefen die Kinder bis zum 10. Lebensjahr zumeist bei ihren Eltern, wobei es als Luxus angesehen wurde, für jedes einzelne Kind ein eigenes Bett vorzuhalten. Somit galt es als »normal«, dass sich zwei oder sogar drei Kleinkinder ein Bett zu teilen hatten.

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