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IV. Alle hatten Angst vor dem Nussmärtel, der nur wenige Kilometer weiter im Südries früher »Waudl« hieß. Eingemummt in einen langen dunklen Mantel und mit wehendem Bart und Kettengeklirr, polterte er durch die schon oft verschneite Dorfstraße. Nicht selten waren es sogar mehrere der unheimlichen Gestalten, die von Haus zu Haus gingen, und da war es schon besser, in der sicheren Stube zu sein, wenn »das wilde Heer« ins eigene Haus kam. Um die wilden Gestalten zu besänftigen, mussten die Kleinen ein Gebet nach freier Wahl aufsagen; danach leerte der »Waudl« aus seinem Rupfensack Äpfel und Nüsse sowie Lebkuchen auf den Fußboden, die, nachdem er gegangen war, eingesammelt und gegessen wurden.

In den katholischen Riesdörfern kommt seit einigen Jahrzehnten am 6. Dezember oder in der Nacht davor der »Nikolaus«, nun auch in Deiningen. Heute wird zwischen Nussmärtel und Nikolaus von vielen Eltern kaum mehr unterschieden.

Der Adventskranz ist seit nunmehr rund achtzig Jahren auch in Deiningen in Gebrauch, nicht so lange der Adventskalender als süße Vorbereitung »aufs Fest« für die Kinder. Allgemeingut wurde auch der Tannenbaum als Christbaum (noch vor 120 Jahren stellte man ein Kirsch-bäumchen in die Stube!).

Weihnachten wurde im Laufe der letzten Jahrzehnte zum wichtigsten Fest der Christenheit. Wie sehr das ­Weih­nachtsfest allerdings noch von heidnischem Gedankengut unserer Vorfahren belastet ist, zeigen die immer noch bei uns vorhandenen und bekannten Gebräuche, in diesen Tagen nicht zu flicken, da man sonst bald vom Doktor zusammengeflickt wird; keine Wäsche aufzuhängen, da man sonst das Fell eines Stück Viehs aufhängt; nichts zu ölen, da man sonst den Schinderkarren schmiert usw. Es hält sich beharrlich die Meinung, in den Tagen nach der Mitt-winternacht (21. Dezember) bis zum 6. Januar seien die Geister und Dämonen frei und ledig! Wodans »Wildes Heer« gehe um, man könne sich jedoch davor schützen, in­dem man alle Besen des Hauses kreuzweise in die Türen stellt.

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