INFOTHEK DEININGEN

GEOPARK RIES

I. Hier und überall in den Dörfern besuchten die Kinder und Heranwachsenden vom 16. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts lediglich schulähnliche Einrichtungen. Ihre Erziehung und Ausbildung lag hierbei in der Hand von Lehrkräften, die ihr Lehramt notgedrungen mehr zufällig und zumeist nebenberuflich ausübten und oft keine pädagogische Ausbildung genossen hatten. Anfangs wirkten Musikanten oder abgedankte Soldaten als Schullehrer. Später hatten Kleinlandwirte oder Handwerker das Schullehrer- oder Schulmeisteramt neben ihrer beruflichen Tätigkeit inne.

Da im gesamten Zeitraum sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche die Schulaufsicht – zumeist im Auftrag der Herrschenden – wahrnahm, war der Lehrer zuerst einmal für den Messner- und Organistendienst verantwortlich. Vom 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nahm der Schulmeister (später der Schulleiter) zudem das Amt des Gemeindeschreibers wahr, um sein stets äußerst knappes Gehalt aufzubessern.

Vor Einführung der Reformation in Deiningen dürfte schon eine katholische Schule bestanden haben. 1560 wird dann erstmals ein protestantischer Schulmeister genannt. Der damalige katholische Schulmeister wurde von den beiden Grafen von Oettingen, die sich den Ort geteilt hatten, vermutlich gemeinsam bestellt. Seine Schule dürfte  in dem »Gemeinen (d. h. gemeinsamen) Schulhäuslein« untergebracht gewesen sein, das bereits damals baufällig war und im Winter 1609/10 vom Sturm eingerissen wurde. Seinerzeit diente es der Deininger Hebamme als Wohnung. Das »gemeine Schulhäuslein« befand sich im Eigentum einer Stiftung, wie den Urkunden zu entnehmen ist. Dieses Schulhaus war sicherlich nicht groß, was daran zu erkennen ist, dass man den Begriff »Häuslein« verwendet. Da man damals den Schulzwang noch nicht kannte, genügte zweifelsohne ein kleines Gebäude. Es soll, so man den Aufzeichnungen von Bürgermeister Gottfried Beck folgt, am nördlichen Tor nahe dem alten Kirchhof an die Kirchhofmauer angebaut gewesen sein. Da der Deininger Friedhof damals mit einer hohen Umfassungsmauer samt Wehrgang, Schießscharten und Wehrtürmen geschützt war, dürfte ein Torhaus das »gemeine Schulhäuslein« gewesen sein.


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